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Glocken in Lössel

Die älteste Glocke Iserlohns hängt in der Brunnenkirche zu Lössel. Und das kam so:
Pfarrer Caspar Eickmann wußte von einer Bronzeglocke, die versteckt und vergessen in der Kirchspielskirche (Bauernkirche) stand. Es handelte sich um die alte Pancratiusglocke. Ihr Name geht auf Pancratius zurück, jenen römischen Jungen, der nach der Legende als 14jähriger Knabe um 304 zum Märtyrer wurde.
Diese Glocke hatte das Umschmelzen ihrer Klanggefährten 1884 überlebt.
Sie war angeblich zu alt und paßte mit ihrem Ton nicht mehr in den angestrebten harmonischen Gleichklang aller Iserlohner Glocken. Dieser Umstand bewahrte sie sicher auch 1918 vor dem Weg aller Bronzeglocken. Für Kriegszwecke mußten sie abgegeben werden. So versah sie also bis 1925, endlich bekam die Bauernkirche neue Stahlglocken, ihren Läutedienst.
Ab da stand sie als nicht mehr einsatzfähig hinter dem Altar und das wußte Pfarrer Eickmann. Inzwischen hatte man mit viel Hin und her 1960 das Jugendheim der Kirchengemeinde in Lössel errichtet. Pfarrer Eickmann bemühte sich um die Pancratiusglocke. In einem Stahlgerüst sollte sie, vor dem Heim aufgehängt, die Christen der verstreuten Lösseler Gemeinde zum Gottesdienst rufen. Auch zu anderen Zeiten konnte sie dann läuten. Aber erst 1962, als endlich die neue Läuteordnung der Iserlohner Kirchengemeinde beschlossen war, ließ man die alte Glocke untersuchen. Die Prüfung ergab: voll gebrauchsfähig. Eine neue Aufhängung und ein neuer Klöppel wurden
benötigt. Hierbei half ein junger Lösseler Handwerker. Bei der Iserlohner Firma Dahlhaus fertigte und probierte man die Teile mit viel List und Tücke aus.
Zunächst   von   Hand   gezogen,   erscholl   die   Pancratiusglocke   in   der Höhengemeinde. Selbst während der Bauzeit der Brunnenkirche 1982 ließ sie keinen Gottesdienst aus. Umgesetzt in den Garten von Westhelle und später samt Stahlgerüst auf den Turm gehoben, läutet sie bis heute über Lössel.
Die Glocke trägt die Inschrift:
"Agnus dei, qui tolispeccata mundi miserere + heatits Pancratius orapro nobis"
Lamm Gottes, das du trägst die Sünden der Welt, erbarme dich und glückseliger Pankratius bitte für uns

Im Jahr 2009 wurde zur „Entlastung“ der alten Lösseler Glocke eine 2. eingebaut. Gleichzeitig wurde auch der Glockenstuhl erneuert.

 

 

Gemeindehaus mit Glockenturm
Die neue Glocke
Das neue Glockengerüst

 

 

Der andere Glockenklang tönt vom Friedhof über Lössel. In einem wohlgezimmerten offenen Holzgerüst hängt die etwa 50 Zentimeter hohe und 42 Zentimeter im Durchmesser messende alte "Schulhausglocke".
Glocke Friedhof
Der evgl. Gemeinde
Lössel
gewidmet von
Friedrich Westhelle
Heinrich Renfordt
Herm. Lüling
Ostern 1925




So lautet die in sauberer lateinischer Ausgangsschrift eingeritzte Inschrift. In einem kleinen Dachaufbau, der außerdem mit Wetterhahn versehen war, hing die Glocke auf der Lösseler Schule. Bei jeder Beerdigung wurde sie vom "Schuldiener" Grebe zum Klingen gebracht. Später läutete sie Heinrich (Heine) Brenscheidt, aber auch nur durch Blickkontakt zum Beerdigungszug. Erst 1978 baute man einen kleinen Elektromotor ein. Jetzt konnte man von der winzigen Leichenhalle aus, der Vorläuferin der heutigen Halle, die Glocke betätigen.
Welche Gedanken die Stifter, damalige Vereinsvorsitzende in Lössel, bei ihrer Stiftung hatten, sind noch nicht bekannt geworden.
Es ist jedoch ein gutes Zeichen von Bürgersinn, eine Glocke für solchen Zweck im Dorf tönen zu lassen.

 

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